Sahara – Schätze im Sandmeer, Faszination Erde mit Dirk Steffens

Hier ganz kurzfristig ein TV-Tipp:

Am Sonntag, 10.12.2017 um 19.30 Uhr im ZDF Faszination Erde: Sahara – Schätze im Sandmeer

Buch und Realisation: Eva-Maria Rauert, Frank Siegwart
Kamera: Oliver Roetz u. a.
Sprecher: Tobias Kluckert
Redaktion TV: Christiane Götz-Sobel
Redaktion Online: Katja Treu

Und hier der Link zum ZDF!

Im algerischen Tadrart Copyright: R + S Jarosch
Im algerischen Tadrart
Copyright: R + S Jarosch

Wenn man die Beschreibung auf der ZDF Website liest, bekommt man den Eindruck, dass nur in Marokko aktuell gedreht wurde, nicht in der Tiefe der Sahara. Vorkommende Szenen aus der wirklichen Sahara dürften aus früheren Dokumentationen stammen. Aber klar, schaun wir mal rein…!

Ein Gruß zu den Festtagen

Dieser Text ist nun wahrlich nicht mehr neu, aber leider immer noch aktuell, weshalb wir ihn an dieser Stelle nochmals veröffentlichen.
Nehmen wir nur ein Beispiel: Jemen! Dort wird ein unsäglicher Stellvertreterkrieg geführt, wochenlang hat Saudi Arabien Lieferungen von Hilfsgütern blockiert, Hilfsorganisationen wurde der Einsatz unmöglich gemacht. Die Folgen sind katastrophal!

Wieviele Waffenhändler und Vermittler haben sich in der Vergangenheit in Saudi Arabien getummelt? Wieviele Staaten haben Saudi Arabien aufgerüstet?
Also:

Grüße zum besinnlichen Weihnachtsfest und zum neuen Jahr 2018!
…an alle Spekulanten, Kriegstreiber, Waffenproduzenten und -exporteure.
Ganz besondere Grüße auch an diejenigen, die Minen herstellen und verkaufen!
Nicht zu vergessen, die feinen Leute und Politiker, die Ethnien gegeneinander aufhetzen, Lügen verbreiten, Kriege anzetteln und ihr Volk ausbeuten!

»Resourcensicherung« ist für viele von euch ganz wichtig, da müsst ihr und euer Volk schon einiges erdulden…und natürlich auch der Feind!

Euer Lächeln ist inzwischen oft etwas verkrampft, die Mimik verzerrt und oft habt ihr kalte Schweißperlen auf der Stirn…

Schlaft ihr noch ruhig?

Reisebericht Südalgerien

Adrar n’Ahnet, Tim Missao & Tin Rherho
Es war eine unserer schönsten Touren in der Zentralsahara, nur ein Minimum an Asphalt bei Beginn und Ende der Tour, ansonsten herrliche, einsame Pisten, oft nur noch die eigenen Fahrspuren vom vorherigen Monat. Große Freiheit!

Knapp 2000 km, etwa in der Mitte der Strecke ein Dieseldepot, zwei hervorragende Tuareg-Crews (damit wir zwei Touren zur gleichen Zeit fahren konnten), dabei immer eine Autorität der N’Ahnet Tuareg. Hier die Route in Stichpunkten:
Tamanrasset – Essidiene – Erg Mehedjibat – Adrar N’Ahnet Region im Detail – Schlucht von Touhak – Erg Iguidi N’Afarag – Guelta Ain Ziza – Tassili Tim Missao – der Nordteil des Tassili Tin Rherho mit seinen Felsgravuren und prähistorischen Gräbern – Oued Tichkatine – Urstromtal Tin Amzi – Tamanrasset

Hier ein sehr gut gestalteter Reisebericht eines Teilnehmers im Jahr 2005:
Reisebericht als PDF,  Autor und Copyright: Bernhard Gravenkamp

Und soeben finde ich in unserem Archiv auch eine Tourenbeschreibung aus dem SUNTOURS Expeditionsprogramm von 2012: Adrar N’Ahnet & Tim Missaou PDF Copyright: R & S Jarosch

Regelmäßig nutzten wir bei diesen Fahrten den wichtigen Brunnen von Tin Rherho. Er liegt am nordöstlichen Fuß des Tin Rherho-Plateaus in einem weitläufigen, sehr flachen, sandigen Oued. Nicht zwischen den üppigen Tamarisken in der Nähe, wo man ihn suchen würde – nein, in einer öden, heissen Ebene.
Eines Tages: Großer Schreck – zumindest bei der europäischen „Fraktion“ – der Brunnen ist total versandet und offensichtlich durch eine seltene Flut zugespült worden, mit Schlamm, Ästen und Steinen! Auch die etwas dürftige Brunnenabdeckung aus Blechplatten ist verschwunden, vom Sturm verweht oder von der Flut mitgerissen. Der Rand des obersten Betonringes überragt kaum das Bodenniveau.
Sicherlich, wir wären nicht verdurstet, wir haben noch Reserven, aber wir müssen wohl die Route gravierend ändern. Einen anderen Brunnen ansteuern? Aber welchen, keiner liegt in unmittelbarer Nähe!
Unsere Tuaregcrew bleibt ruhig und gelassen. Nach kurzen Überlegungen, die klare, kurze Entscheidung: „Wir graben den Brunnen wieder aus, in der Tiefe führt er immer Wasser…“

Ein weisser Sack aus Kunsstoffgewebe wird aufgeschnitten, so dass eine kleine Plane entsteht; an jeder der vier Ecken wird ein Seil fest verknotet. Die Plane wird innerhalb des obersten Betonringes ausgebreitet; ein vom örtlichen Expeditionsleiter Auserwählter füllt sie schnell mit den Händen oder mit einem unsrer Spaten und vier Helfer ziehen die Plane zügig hoch und kippen den Sand aus.
Das geht zunächst recht schnell, noch wird reiner Sand gefördert und ohnehin sitzt der Ärmste, der die Plane füllen muss, ja noch weit oben.

Ladung um Ladung wird hochgezogen, die Plane füllen, gleichmäßig hochziehen, auskippen, Plane wieder runterlassen, ausbreiten, füllen, hochziehen…
Bald sind drei oder vier Brunnenringe wieder sichtbar, der Arbeitsplatz des Planenfüllers wandert immer tiefer. Steine und Tamariskenäste im Brunnenschacht erschweren nun die Arbeit. Eine Pause ist angesagt, vorsichtig balancierend senken wir mit Hilfe der Plane ein Tablett mit Tee und Keksen zu unserem tapferen Mitstreiter in die Tiefe.

Wau! Nach etwa zwei, drei Stunden fördern wir feuchten Sand nach oben, ein gutes Zeichen. Da beim hochziehen der Plane nun immer wieder mal nasser Sand und gar Steine nach unten fallen, bekommt der Planenfüller eine Plastikschüssel als Schutzhelm nach unten geliefert. Wir bitten die Teilnehmer, dies nicht zu fotografieren, ein Targi mit einer Plastikschüssel auf dem Chech, unmöglich!

Der Sand wird immer feuchter und gegen 13.00 Uhr sammelt sich Wasser am Brunnenboden, es steigt sogar! Nun noch schnell den Brunnenboden säubern und einige letzte Ladungen Geröll und Schlamm nach oben ziehen und dann wird der tapfere Helfer in der Tiefe erlöst und von uns nach oben gehievt, der Ärmste ist klatschnass aber guter Dinge und gejammert wird sowieso nicht.
Ich erinnere mich, etwa um 9.00 Uhr morgens hatten wir die Aktion begonnen. Wir machen Mittagspause, währenddessen setzen sich die Schwebstoffe im Wasser und wir können klares Wasser fördern. Hat jemand daran gezweifelt, dass es klappt?

Wir können unserer Route programmgemäß weiter folgen und beschließen abends am Lagerfeuer, die Brunnenkonstruktion zu verbessern. Unser Partner in Südalgerien spendiert einen Betrag und auch wir, von SUNTOURS. Die Wasserstelle ist wichtig, ja sogar existenziell, nicht nur für Wüstentouristen sondern vor allem auch für durchziehende Nomaden.
Ein Pickup mit Arbeitern, Zement, zwei Betonringen und einem neuen, stabilen Brunnendeckel fährt eines Tages mehr als 300 km Wüstenpiste von Tamanrasset zum Tin Rherho, erhöht den Brunnenkopf und installiert die neue Abdeckung. Seitdem trägt die Abdeckung des Brunnens von Tin Rherho das Signum unseres südalgerischen Partners. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben!

Wann dürfen wir wieder hinfahren um zu sehen, ob der Brunnen noch in Ordnung ist, wann dürfen wir wieder das köstliche Nass aus der Tiefe genießen?

 

Kidal, Nordmali

Im Sommer 2017 hatten wir die tolle Chance, in Frankfurt ein Konzert der Gruppe Tinariwen aus Kidal in Nordmali zu sehen. Ein milder Sommerabend im Frankfurter Palmengarten, so nach und nach trafen Freunde ein: Ehemalige Partner aus der Wüste, Reiseteilnehmer, eben Liebhaber der Sahara und ihrer Kultur. Auf diesem Wege Grüße an alle, die mit uns diesen Abend erleben konnten!

Und wir erinnerten uns natürlich wieder an unsere diversen „Abenteuer“ in Nordmali. So z.B. an das fantastische Festival in Essouk bei Kidal während der Jahreswende 2003/2004. Wegen der unsäglichen, üblen Entführung von mehr als 30 Reisenden in Südalgerien im Frühjahr 2003, hatten wir nur wenige Buchungen, fast alle Touren in der Zentralsahara fielen aus, bzw. wurden aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt.

Dann ein Anruf unserer Partner aus Kidal, eine Einladung zum Festival in Essouk! Die Sicherheit wurde uns garantiert, wir sollen Typ und Farbe unseres Fahrzeuges, sowie die Reiseroute durchgeben, es gäbe keine Probleme, alle seien in Festivalstimmung….
Wir planten eine private Reise, in Paris stießen unsere Freunde Katja, Nickel und Stefan zu uns. Dann ging es weiter, per Point Afrique-Flug nach Niamey.

Unser Partner im Niger sorgte dafür, dass eines unserer Fahrzeuge samt Ausrüstung von Agadez nach Niamey gebracht wurde. Aga, ein absolut zuverlässiger Fahrer war pünktlich da, einige Markteinkäufe und am nächsten Tag war bereits Start nach Gao.
Auf der Piste nach Gao kaum Verkehr, die Grenze nach Mali und diverse Polizei- und Militärposten waren schnell passiert. Das Zauberwort für ein höfliches Durchwinken war: „…wir sind eingeladen, zum Festival in Essouk bei Kidal“. Auch in Gao mussten wir uns seltsamerweise nicht bei den Behörden melden, nach einer angenehmen Übernachtung in einem kleinen Camp mit Restaurant ging es problemlos und ungestört weiter, entlang dem Tilemsi-Tal nach Norden. Es wurde Abend, wir fuhren noch ein Stück in der Dämmerung, aber bevor es vollständig dunkel wurde campierten wir kurz vor Kidal versteckt zwischen Granitfelsen.
In der „Stadt“ angekommen, wurden wir herzlich empfangen und gänzlich umsorgt. Duschen, Essen und nochmal Essen, Aktuelles und Meinungen austauschen, Sorgen um die Zukunft. Aber nun ist erst mal Festival.
Wir fahren in den Ort, begrüßen Bekannte und sehen uns um: Die lokale Radiostation sendet nicht, das aufwändig gebaute Kulturhaus ist halb verwaist, auf dem Markt gibt es nur sehr spärlich Lebensmittel aber viele Plastikwaren aus Algerien. Und Diesel, billigen Dieselkraftstoff, auch aus Algerien… Die Stimmung ist gedämpft, aber – wie gesagt – jetzt erst mal Festival!

In einem Halbrund um das Festivalgelände waren mehr als siebzig traditionelle Lederzelte aufgebaut, oft reich geschmückt und mit Matten zum Schlafen ausgestattet. Als Gäste von weither bekamen wir ein sehr schönes Zelt zugeteilt, dahinter parkten wir den Nissan und bauten unsere Moskitozelte auf. Ein prima Rückzugsort während der Veranstaltungspausen, für die Siesta und für ruhige Nächte, unsere Art von Luxus.
Drei Tage lang erlebten wir einen Rausch an Farben und Lebensfreude! Es gab einerseits traditionelle Musikgruppen, aber auch aktuellen Desertblues, Kamelrennen, Vorführung von Formationsreiten, Schwerttänze, Iludjan* und sogar einen Schönheitswettbewerb selbstbewusster Targias. Stromausfälle, die manchmal pfeifende, kreischende Verstärkeranlage, solche Kleinigkeiten wurden lachend hingenommen.
Eine außergewöhnliche Überraschung: Eine Indianergruppe aus Nordamerika! Diese Gruppe war im Rahmen des Austausches zwischen indigenen Ethnien in Timbuktu angekommen um dort beim „Festival au Desert“ in Essakane aufzutreten. Allerdings waren sie einige Tage zu früh im sagenumwobenen Timbuktu eingetroffen; spontan wurden sie mit Landcruisern auf einsamster Piste fast 700 km in Tag- und Nachtfahrt nach Essouk gebracht, um auch dort aufzutreten. Sie boten traditionelle Gesänge, begleitet von Trommeln, spielten aber auch harte Rockmusik, Begeisterung im ganzen Lager! Wir kamen mit einem der jüngeren Indianer ins Gespräch und er berichtete, dass es seiner Gruppe recht gut ginge, da sie erfolgreiche Pferdezüchter seien. Die Musik ist Hobby und dient der Traditionspflege. Aber besorgt fragte er, ob wir ihm erklären könnten, wo wir uns hier befinden? Auf der Michelin Karte zeigten wir es ihm: Weit nordöstlich von Timbuktu, bei Kidal im Adrar Iforhas, nahe der algerischen Grenze. Die Antwort „…oh my God!“ Wir verzichteten darauf, ihm zu erklären, dass wir normalerweise hier arbeiten, momentan jedoch privat, sozusagen in Urlaub hier seien.

Das Fest verlief friedlich ohne geringsten Zwischenfall, man hatte sich u.a. darauf geeinigt, dass niemand sein „Statussymbol Kalaschnikow“ mitbringt. Auch das damals noch anwesende malische Militär sowie die Polizei, beide hielten sich wohltuend zurück, die Selbstverwaltung funktionierte.

Wir unternahmen eine kleine Meharee in der Umgebung und eine Fahrt mit Begleitschutz nach Tamaradjant, östlich von Kidal. Die in Europa kaum bekannten Wallmauern dieser prähistorischen Stätte sind absolut beeindruckend. Zwischen den natürlich vorhandenen Granitpoldern wurden bis zu zehn Meter hohe Trockenmauern aufgeschichtet, so entstand ein burgartiges Gebilde. Es gibt Anzeichen, dass die Mauerkronen als Gang ausgebildet waren, also begehbar waren.

Der Rückweg: Von Kidal freie Fahrt nach Timbuktu, ohne Gao und Bourem zu tangieren, vertraute Wege. Hier bei Timbuktu hatte inzwischen das „Festival au Desert“ begonnen, wir überlegten kurz, wenigstens für einen Tag teilzunehmen, aber es gab nur teure Eintrittskarten für drei Tage. Zudem näherte sich der Termin des Rückfluges und von Timbuktu bis Niamey ist es doch ein gutes Stück zu fahren. In der Stadt war es außergewöhnlich ruhig, keine Reisenden zu sehen, wenig Trubel und Handel in den Gassen und auf dem Markt. Wir erkundigten uns im Touristbüro, wie wird es weitergehen, wie ist die Sicherheitslage? Bedenken und Hoffnung, wenig ausländische Besucher beim berühmten Timbuktu Festival.

Eine Fähre brachte uns über den Nigerstrom, in den inneren Nigerbogen, den Gourma. Von dort weiter nach Douentza, das dortige Campement war geöffnet, wir waren die einzigen Gäste. Dann über Hombori – nun auf Asphalt – wieder nach Gao und von dort zurück nach Niamey. Aga war bereits wieder aus Agadez eingetroffen und erwartete uns, um den Nissan zurück nach Agadez zu bringen.

* Iludjan: Die Frauen sitzen dicht gedrängt im Kreis, trommeln und singen. Die Herren der Schöpfung umrunden den Kreis mit ihren Kamelen, Sand wirbelt auf, immer dichter, immer enger umkreist man tänzelnd die Frauen…

P.S.: Nach dieser privaten Reise mussten wir den harten Entschluss treffen, die regulären Gruppenreisen in Nordmali (Adrar Iforhas, Djebel Timetrine, Araouane, Timbuktu) einzustellen.
Die Reisen im Süden, ins Dogonland, die Flussfahrten per Pinasse auf dem Niger, sowie die Tour zum Festival Segou konnten noch für einige Zeit stattfinden.
Die heutige Situation in Mali ist bekannt. Im Süden einigermaßen Stabilisierung, die Musik ist zurückgekehrt. Man ist politisch aktiv und informiert, Ringen um Frieden und angepasste Demokratie. Der Norden ist groß und weit, die Grenzen haben sandige Lücken. Diverse Militärs versuchen das Gebiet zu sichern, bzw. wenigstens Übergriffe aus dem Norden zu unterbinden.
In Mali gibt es Gold in nicht unerheblicher Quantität, zudem hört und liest man von ergiebigen Öl-, Gas- und Uranvorkommen, mehrere Konzessionen sollen bereits vergeben worden sein; die Ausbeutung dann in Zukunft.
Aktuell (im Oktober 2017) treffen Nachrichten über Mangelernährung, hauptsächlich bei Kindern ein.

Dank an:
– Cheikh ag Baye, Kidal
– Ahmed Ewaden, Ewaden Voyages, Agadez
– Aga, Fahrer aus Agadez
– Katja, Nickel und Stefan, die uns begleitet haben
– Und nochmals „Tannemert“ (merci) an die Gruppe
Tinariwen, die in Frankfurt ein Stück für Sylvia gespielt haben.

 

Schnee in der Zentralsahara und kleine Hoffnungen…

Schnee in der Wüste

Schnee in der nördlichen, algerischen Sahara
Schnee auf den Dünen bei Ain Sefra (copyright Karim Bouchetata)

Am Montag, den 19. Dezember 2016 waren die Bewohner der Commune Ain Sefra (Algerien) doch sehr erstaunt, die Dünen der nördlichen Ausläufer des Erg Occidental färbten sich weiß! Klicken Sie auf das obenstehende Bild, Sie gelangen zur Facebookseite des Photografen Karim Bouchetata und sehen eine Serie von außergwöhnlichen Bildern!

So selten und außergewöhnlich (wie in einigen Publikationen geschrieben wird „.. nur alle 40 Jahre!“), ist Schneefall in der Sahara jedoch nicht. Bei starkem Nordostwind und gleichzeitigem Kälteeinbruch am östlichen Mittelmeer (Südöstliche Türkei, Syrien, Libanon, Jordanien, Palästina und Israel) wird es häufig in der nördlichen Zentralsahara bitter kalt. Nichts, kein Gebirge hält den kalten Nordostwind auf, bis er auf den Saharaatlas, das Hoggargebirge oder das Hochplateau des Tassili N’Ajjer trifft.
„Schnee in Jerusalem! Wir werden frieren, in der Sahara…“, das war bei uns Wüstenfahrern eine gängige Erkenntnis.
Auch beim aktuellen Schneefall bei Ain Sefra erinnere ich mich, dass bei den erschütternden Berichten im TV aus den Flüchtlingslagern im Nahen Osten Schnee zu erkennen war.
Im Wetterarchiv von wetter.net ist unter 15.12.2016 zu finden: „…in Ostanatolien sank das Thermometer beispielsweise auf -20 Grad bei über 20 Zentimetern Schnee…“! Der Nordostwind trägt die Wettersituation dann abgeschwächt in die Sahara.

Im Winter 2005 gab es in der Region Ghardaia heftige Schneefälle, in der Folge Verkehrschaos und Unfälle, sogar mit Todesopfern. Auch defekte, überlastete Gasheizungen waren ein großes Problem.

Im Winter der Jahrtausendwende (Dez. 1999/Jan. 2000) hatten wir erfolgreich, zusammen mit Mitbewerbern und Kollegen, einen „Milleniumsflug“, einen Air Algerie-Direktflug von Frankfurt nach Djanet und Tamanrasset organisiert. Es war so bitter kalt, man konnte gar nicht nahe genug an das viel zu kleine, spärliche Lagerfeuer heranrücken. Nach der Ankunft in Djanet regnete es eiskalt und auf der Höhe des Ajjer-Plateaus gab es Schnee und Schneeregen.

Auf den Höhen das Atakor, Zentrum des Hoggargebirges, Gipfel bis zu 3.000m Höhe; auch dort  ist Schneefall keine ganz große Seltenheit. Ein sträfliches Versäumnis meinerseits: Im gesamten SUNTOURS Fotoarchiv finde ich kein Bild davon.

Kleine Hoffnungen

Hoggargebirge und Teffedest in Südalgerien wieder für Wüstenfans geöffnet!?

Laut internen Informationen sollen die beiden Gebirgsregionen (mit Umgebung???) wieder für touristische Reisen unter der Obhut von örtlichen Agenturen frei gegeben werden. Das Verbot jeglicher touristischer Aktivitäten im Großraum um Tamanrasset, sowie die Fahrt mit Touristen von Tam nach Djanet, war für unsere ehemaligen Partner und Freunde in Tamanrasset ein hartes Los.
Erlaubt waren über einen langen Zeitraum hinweg nur Wüstentouren in der Umgebung von Djanet, sowie im algerischen Tadrart, südöstlich von Djanet. Der algerische Teil des Tassili Tadrart ist wunderschön, liegt jedoch hart an der libyschen Grenze. Das Tadrart im südöstlichen Grenzgebiet zu Libyen hin geöffnet und das leichter überwachbare Hoggar und Teffedest nördlich von Tam geschlossen, diese Logik war schwer nachvollziehbar.
Hoffen wir, dass es in Algier diesbezüglich einen Wandel gibt; wo bleibt der Sinn, wenn man den Tuareg in Tamanrasset die Arbeit im Wüstentourismus verbietet?

La Gomera

 

Valle Gran Rey und Nebelwald

Ein Bild von Mano Dayak, gefunden auf Gomera. Sofort werden bei uns intensive Erinnerungen an die Zeiten im Niger wieder wach…

Wer auf La Gomera (Wander-) Urlaub macht, der findet dort nicht nur erstarrte Vulkanschlote und mächtige Basaltformationen wie z.B. im Hoggargebirge oder im Aïrgebirge in der Sahara, sondern man stößt auch unverhofft auf Mano Dayak, Tuareg und Rebellenführer aus dem Niger. Und zwar in der Boutique „Black Market“ von Guido Tersa im Valle Gran Rey, Ortsteil Vueltas. Klar, leider nur auf einem Foto, denn es gab ja 1995 den unglücklichen, tragischen Flugzeugabsturz, bei dem Mano ums Leben kam, als er zur Unterzeichnung des Friedensvertrages nach Niamey fliegen wollte.

Tja, Gomera, wir sind gern dort, es liegt relativ nah vor der Küste Afrikas, westlich der Sahara…, Nostalgie!
Für uns faszinierend sind neben vielen anderen Eindrücken immer wieder die mächtigen Basaltformationen, die Vegetation in den Bergen und Tälern, der starke Kontrast zwischen den Stränden mit schwarzem Vulkansand und der Stimmung oben im Nebelwald. Das gewaltige Brausen des Atlantiks an stürmischen Tagen, die Stille in den Bergen, das Spiel des Lichtes in den sonnendurchfluteten Berghängen mit unzähligen, mühevoll errichteten Terassen.

Guido Tersa vor seiner Boutique
Guido Tersa vor seiner Boutique

Nach einer Wanderung, auf dem Weg zum Hafenstrand in Vueltas, rasten wir gern eine kleine Weile in der Boutique „Black Market“. Dort spielt dezent afrikanische Musik und Guido freut sich immer, wenn Interessierte vorbeikommen, die sein Angebot an afrikanischem Kunsthandwerk zu schätzen wissen und mit ihm über die Sahara und den Sahel reden können.
Soeben entdecke ich im Internet, dass „Black Market“ nun auch in Palma de Mallorca, einen Shop in der Stadtmitte unterhält.

Ein ganz anderer Punkt: “ Wie kommt man denn da hin, auf diese außergewöhnliche Insel, es gibt auf La Gomera ja keinen internationalen Flughafen? “
Ja, gottlob gibt es keinen, es genügt schon, wenn im Hafen ein Kreuzfahrtschiff anlegt und die Passagiere gelangweilt durch die Küstenorte Borbalan, Vueltas und La Playa schleichen, kaum etwas kaufen und uns – die verschwitzten Wanderer –  fotografieren, ohne zu fragen.
Also die Anreise ist ganz einfach :

  • Sie haben einen Flug gebucht, nach Teneriffa Süd (TFS), der möglichst vor 12.00 Uhr oder spätestens um 12.30 Uhr dort ankommt. Unumgänglich: Ganz früh aufstehen, die Wohnung, das Haus verriegeln und ab zum Flughafen…!
  • Sofern der Ferienflieger an diesem Tag nicht gerade verkauft wird, landen Sie pünktlich, warten etwas ungeduldig aufs Gepäck und dann kommt das erste Trekking durch die weitläufigen Flughafenhallen zum Taxistand. Nun flugs ein Taxi zum Fährhafen Los Cristianos nehmen; die Taxikosten von ca. 25,- bis 28,- € kann man mit Mitfahrern teilen, sofern man beim Warten am Gepäckband die Zeit genutzt hat, kommunikativ war und schon jemand ausgespäht hat.
  • Der Taxifahrer kennt seine Route und alle Tricks hinderlichen Staus auszuweichen und hält für Sie direkt vor dem Fährterminal. Inzwischen dürfte es 13.00 Uhr sein, evtl. sogar schon etwas später.
  • Dann mal gleich zum Schalter, Tickets kaufen, denn zwei Fähren starten um 14.00 Uhr. Nehmen Sie die schnellere, sie ist kaum teurer. Außerdem haben Sie selbstverständlich ihren Personalausweis mit zum Schalter genommen, junggebliebene Senioren bekommen in Spanien Rabatt. Na ja, falls Sie schon dazu zählen.
  • Im Osten von La Gomera liegt der Fährhafen San Sebastian, ca. eine Stunde Schiffszeit bis dorthin. Nun stehen ein oder zwei Busse bereit (bzw. diese warten sogar auf die Fähre) und die letzte Etappe führt mit zahlreichen Serpentinen quer über die Insel nach Südwesten, ins gelobte Tal des großen Königs, Valle Gran Rey.
  • Ca. 16.30 Uhr durchatmen, angekommen!

Falls das alles nicht so ganz geklappt hat: Es gibt noch eine Fährverbindung  gegen Abend und dann einen Bus, der nachts um zehn im Valle ankommt. Zu dieser Zeit wird es schon herrlich still im Tal…

Im Garten bei Ruhe Pur
Im Garten bei Ruhe Pur

Zur Beruhigung, wenn es innerhalb eines Tages überhaupt und ganz und gar nicht klappen will:
Elke und Ernstl, die freundlichen Leute von Ruhe Pur bieten einen perfekten Transfer- und Übernachtungsservice für Reisende nach La Gomera und El Hierro an. Man wird am Flughafen TFS abgeholt, in der netten, phantasievoll ausgebauten Finca von Ruhe Pur gut untergebracht und am nächsten Tag zum Fährhafen gefahren. Wunderbar!

 

 

Akounak Tedalat Taha Tazoughai, von und mit Christopher Kirkley

Im Rahmen der diesjährigen Pluriversale in Köln wird der Film Akounak Tedalat Taha Tazoughai aufgeführt, mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur. Der Film ist in Tamascheq mit englischen Untertiteln, das Gespräch wird ebenfalls auf Englisch geführt.

Kürzlich erst ist Prince gestorben, da ist es passend, ein Remake seines Musikfilms Purple Rain auf eine etwas größere Bühne zu heben. Das Experiment ist einfach: lässt sich Glamrock von Minneapolis nach Agadez übertragen? Ich denke schon, daher werde ich auf jeden Fall bei dieser Veranstaltung nicht fehlen.

Remake:

Original:

Namibia community based tourism

Zwei Tipps für Selbstfahrer in Namibia

  • Wer die Camps der Organisation NACOPTA (community based tourism) für seine Campingübernachtungen hier und da nutzt kommt leichter mit der schwarzafrikanischen Bevölkerung Namibias in Kontakt. Oft liegt in der Nähe der Camps ein kleines Dorf oder eine Siedlung, die Bewohner unterhalten und verwalten das jeweilige Camp, meist sind die Frauen des Dorfes intensiv mit eingebunden.
    Liebevoll und mit viel Fantasie gemacht und aus natürlichen Materialien konstruiert sind die Camps dennoch selten voll oder gar überfüllt. Reservierungen sind in der Regel nicht nötig und meist auch nicht möglich. Nicht zu spät anreisen, dann findet man schon sein romatisches Plätzchen …
    Community based tourism, hier finden sie eine Liste der Camps:
    http://www.namibian.org/travel/community/
    In Wikipedia liest man dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/NACOBTA
  • Tja und zum Zweiten wieder mal die Mahnung, bzw. der dringende Ratschlag: Langsam, vorsichtig und umsichtig fahren! Wenn irgend möglich keine Fahrten in der Dämmerung oder gar in der Nacht!
    Die meisten Pisten (zumindest die Hauptverbindungen) in Namibia sind breit und recht gut gepflegt. Das verleitet gern zu schneller Fahrt! Ein Toyota Hi Lux 4×4 z.B. ist mit zwei Personen plus Gepäck und Campingmaterial längst nicht ausgelastet; das Fahrzeug schwebt förmlich über die Schotterpiste und neigt dazu zu tanzen, schnell zeigt die Tachonadel 110 kmh. Und die nächste Kuppe mit Kurve – vielleicht sogar mit Gegenverkehr – kommt bestimmt!
    Wir wollen keine Panik machen oder uns als „super Profis“ aufspielen, es ist wirklich nur gut gemeint: Planen sie kurze Etappen, fahren sie vorsichtig und genießen sie ihren (evtl. ersten) Afrikaaufenthalt.

Ärzte ohne Grenzen & Amnesty International

Wenn wir im Laufe unserer „Wüstenzeit“ in einer Region unsere Arbeit aus Sicherheitsgründen unterbrechen mussten, blieben sie noch da. Wenn wir nach sorgfältiger Abwägung wieder reisen konnten, waren sie bereits wieder aktiv – die Ärzte ohne Grenzen.

Im Februar dieses Jahres wurde eine von der Organisation unterstützte provisorische Klinik in der Ortschaft Maarat al-Numan im norden Syriens von vier Raketen getroffen. Es gab Tote und Verletzte, auch unter den Mitarbeitern.

Im Oktober 2015 wurde ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus/Afghanistan bombardiert. Patienten (darunter auch Kinder) und Mitarbeiter wurden getötet, weitere verletzt.

Gab es ehrliches Bedauern oder gar Entschädigungen von Seiten der Verursacher?

Unterstützen sie  Ärzte ohne Grenzen und Amnesty International, es ist dringender denn je!

Ärzte ohne Grenzen, Deutschland: https://www.aerzte-ohne-grenzen.de

Medecins sans frontieres (MSF) international: www.msf.org

Amnesty International: https://www.amnesty.de

Iraqi Odyssey

Ein Dokumentarfilm des Filmemachers und Regisseurs Samir

Absolut sehenswert, am Schicksal seiner Famile zeigt uns Samir eine ganz andere Sichtweise auf den Irak im Laufe der letzten hundert Jahre. Nicht versäumen, wenn der Film im Programmkino in Ihrer Nähe gezeigt wird. Wir waren sehr, sehr nachdenklich und aufgewühlt, bei Filmende …

© Pressetext der Berlinale:

Die Schicksale der Mitglieder von Samirs irakischer Familie, Hauptakteure einer wahrhaften Odyssee und in der Diaspora lebend, geben die Möglichkeit, sich jenseits aller Klischees mit der Geschichte der arabischen Welt und dem Irak zu befassen. Der Regisseur stellt Vertreter mehrerer Generationen eines säkularisierten, auch religiösen aber immer fortschrittlichen Bürgertums vor und zeigt uns ein arabisches Universum, das mittlerweile vergessen scheint. Wir erleben die ottomanische Ära, die Jahre des britischen Völkerbund-Mandats, die Hoffnungen auf Unabhängigkeit, die Machtübernahme der Baath-Partei und die Radikalisierung unter Saddam Hussein sowie die Mitverantwortung des Westens für den Zusammenbruch weiter Teile dieser Welt. Samirs Verwandte sind überall auf der Welt zerstreut. Die Sehnsucht nach der Heimat ist stark. Samirs Vater, der in den Irak zurückwollte, kam während des Irak-Iran-Krieges ums Leben. Der Regisseur hat seine zwiespältige Heimat in der Schweiz, wo er aufwuchs, kritisch schätzen gelernt, als Beispiel eines irgendwie toleranten Miteinanders sehr unterschiedlicher Menschen und Kulturen.